Wien: Weiberdonnerstag 11.02.2010
Purple Rose of Cairo von Woody Allen
„Bring mir einen Kaffee!“, so kommandiert der Ehemann mit dem bezeichnenden Namen Monk seine Frau Cecilia herum. Sie ist hin- und hergerissen zwischen ihrem arbeitslosen und unausstehlichen Mann, der sich herausnimmt, ihr das wenige wohlverdiente Geld abzuknöpfen, der ihren Alltag überwacht sowie sich überdies offen eine Geliebte hält, auf der einen Seite und auf der anderen Seite ihrem tristen Beruf als Angestellte in einem kleinen Restaurantbetrieb. Dort ist sie beschäftigt mit dem Spülen und Abtrocknen unzähliger Teller im Schnellverfahren. Und wenn sie sich mit ihrer Mitarbeiterin unterhalten will, unterbrechen sie gnadenlos die schneidende Stimme ihres Chefs und die zahllosen Wünsche der Kundschaft. Da passieren dann schon einmal kleinere Missgeschicke, z. B. dass ein Teller mit großem Getöse zu Boden fällt. Schließlich wird Cecilia gekündigt.
Was bleibt ihr anderes übrig, als aus der tristen Wirklichkeit wieder einmal ins Kino und in die Welt der traumhaft schönen Filmgeschichten zu fliehen und damit in die Welt des schönen Scheins, die wenig mit der Wirklichkeit zu tun hat.
Aber es kommt jetzt so, wie es fast zwangsweise kommen muss: Tom Baxter, der Held des Films „Purple Rose of Cairo“, tritt aus dem Film heraus, und Cecilia und Tom verlieben sich. Damit gehen die Schwierigkeiten und Verwirrungen allerdings erst richtig los. Tom und Cecilia sind zwar beide anscheinend aus ihrer jeweiligen „Gefangenschaft“ befreit, haben aber keine Arbeit und müssen also „von der Liebe leben“. Der Kinofilm kann nicht weitergehen, denn der Held fehlt, er hat sich ja von allen unerträglichen Zwängen befreit. So wollen die übrigen Darsteller des Films und alle, die am Film verdienen, Tom überreden, in den Film zurückzukommen.
Tom muss sich unterdessen in der Realität orientieren: Einige Prostituierte versuchen ihm mit wenig Erfolg klarzumachen, dass „Liebe machen“ wenig mit „Liebe“ zu tun hat. Dass die Auseinandersetzungen mit Monk, dem Ehemann Cecilias, nicht mit dem Repertoire zu lösen sind, das die „Rolle“ vorschreibt, erfährt Tom von selbst, denn er wird von Monk übel zusammengeschlagen. Selbst ein Kuss wird ihm zu lang, denn, als er Cecilia küsst, verlangt er verzweifelt die Abblende … Die Unbeschwertheit von Toontown, einem Vergnügungspark in der Art von Disneyland, ist nur von kurzer Dauer. Zuletzt versucht er, der Härte der Wirklichkeit zu entkommen, indem er kurzerhand Cecilia mit in den Film hineinnimmt.
Im Film aber ist Cecilia wiederum fehl am Platze. Sie passt einfach nicht dorthin. Und bald taucht auch schon die Frage auf: „Kann ein Geistlicher im Film ein in der Wirklichkeit sich liebendes Paar trauen?“
Gil Shephard, ein vom Filmproduzenten beauftragter Schauspieler, allerdings schafft in kurzer Zeit wieder Ordnung. Er tritt auf, „verliebt“ sich in Cecilia, bewirkt, dass sie den Film verlässt, indem er ihr verspricht, sie mit nach Hollywood zu nehmen und ihr viel Glanz und Glamour zu bieten. Leider glaubt Cecilia auch ihm. Doch als sie ihm folgen will, verlässt er sie und wieder ist Cecilia allein, weil sie wieder auf einen Mann hereingefallen ist. Enttäuscht verlässt sie die Welt und geht von der Bühne, ohne die Rufe aus der einfachen, der wirklichen Welt, z. B. die ihrer Freundin und Mitarbeiterin, noch wahrnehmen oder gar beachten zu können.
Ein schönes, trauriges und auch sehr lustiges Stück mit einer beklemmenden Aktualität, bei dem Traumwelt und Realität so ineinander übergehen, dass der Zuschauer sehr viel lachen darf, aber auch sehr viel nachdenken muss. Woody Allen sagt selbst zu der dargestellten Problematik: „Die Welt auf der Leinwand war für mich immer eine wunderbare Fluchtmöglichkeit. Männer waren Helden, Frauen waren schön, die Gerechtigkeit siegte, die Leute lebten in riesigen Häusern und trugen Abendgarderobe. Es gab keine Hinweise auf die schrecklichen Probleme der Wirklichkeit.“
Die Bühne in dem schönen Theatersaal des Volkstheaters, die etwas kleiner ist als die des Burgtheaters, war ungewöhnlich abwechslungsreich gestaltet: Es gab die Schauplätze der wirklichen Welt, die kleinbürgerliche Wohnung Cecilias und Monks in den Lüften der x-ten Etage in New York, die nur über hässliche Metalltreppen zu erreichen war, die triste Theke einer Restaurantkette, das Kino, die Straße … Diese wechselten ab mit Filmschauplätzen, teils als Film im Theater, teils als Theater im Theater dargestellt und nur durch einen dünnen Vorhang von der Wirklichkeit getrennt. Die Grenzen aller Schauplätze zueinander waren fließend und durchlässig und verschwammen durch das hohe Tempo der einzelnen Handlungen häufig.
Die Schauspieler waren hervorragend, besonders die beides Hauptdarsteller Heike Kretschmer und Til Firit, die eine sehr gute Kritik in der Presse erhielten, durch mehrere renommierte Preise ausgezeichnet sind und auch schon an anderen bekannten deutschen und deutschsprachigen Theatern engagiert waren, z. B. am Burgtheater, in Berlin, Oberhausen, Bonn bzw. Düsseldorf.
Das schrille, tragikomische Stück wurde untermalt durch Musik, die von einer vierköpfigen Jazz-Band gespielt wurde (Klavier/Keyboard, Trompete, Schlagzeug, Bass), wodurch stellenweise regelrecht Musical-Charakter erzielt wurde. Auch Gesang und Tanz sowie das Spiel auf einer Ukulele belebten das Stück und sorgten für teils komische, teils melancholische Stimmung.
So durften wir in Wien eine sehr niveauvolle Unterhaltung in einem wunderschönen Theater, das 1889 als „Volkstheater“ von Wiener Bürgern, darunter der Dramatiker L. Anzengruber und der Möbelfabrikant Thonet, als Gegenstück zum Burgtheater gegründet worden ist, erleben. Aus diesem Grunde fiel uns der Verzicht auf den Wiener Opernball, der traditionsgemäß auch am Weiberdonnerstag stattfindet, nicht allzu schwer.
AMK
Wienexkursion 2010 – Ein Jahr Pause von den jecken Tagen
Es ist mitten in der Nacht. Genauer gesagt 3 Uhr morgens. Man fragt sich vielleicht, warum 22 Schüler unserer Schule so früh aufstehen. Der Grund ist relativ simpel : Sie haben nämlich heute nur ein Ziel - Wien! Die Stadt an der Donau, die Stadt von Franz-Joseph und Sissi und die Stadt der berühmten Sachertorte und der Wiener Melange.
Bereits seit mehreren Jahren fahren Herr Wollgarten und Frau Kirfel mit Schülerinnern und Schülern der Jahrgangsstufe 13 nach Wien. Dieses Jahr lässt wieder eine Gruppe mit dem Betreten des Fliegers von Germanwings den Karneval hinter sich und begibt sich auf den Weg nach Österreich. Für einige ist es der erste Flug, und sie erleben darüber hinaus einen wunderschönen Sonnenaufgang über den Wolken. Vom Flughafen in Wien ging es dann mit Bus und Bahn in die Jugendherberge (im 7.Bezirk).
Nachdem das Gepäck verstaut war, fuhren wir zurück in die Innenstadt, wo Herr Wollgarten uns einen ersten Überblick verschaffte. Durch die Hofburg, den Graben bis hin zum Stephansdom folgten wir Herrn Wollgarten und lauschten bei einigen Pausen seinen Ausführungen. An der Staatsoper trennten wir uns gegen Mittag, damit sich jeder für den Nachmittag stärken konnte.
Für diesen hatten sich unsere Begleiter etwas Besonderes ausgedacht. Sie fuhren gemeinsam mit uns ins Burgtheater, wo wir einer Führung beiwohnten. Das Burgtheater wurde unter anderem nach den Plänen von Friedrich Semper (Semperoper Dresden) zwischen 1874 -1888 gebaut. In den Zuschauersaal passen 1500 Menschen. Besonders günstig sind die Stehplätze, die gern von Schülern und Studenten genutzt werden.
Wir bekamen auch die Gelegenheit einen Blick hinter die Bühne zu werfen, die mit ihrer Drehkonstruktion beeindruckte. Hiervon waren besonders die ehemaligen und aktiven Mitglieder unserer Theater AG sehr angetan.
Nach der Führung endete schon das Programm für den Tag, damit wir unsere Zimmer beziehen konnten. Die Abendgestaltung am ersten Abend sah ganz unterschiedlich aus. Manche „trauten“ sich gar nicht mehr vor die Tür, andere waren noch im Bann des Burgtheaters und besuchten eine Aufführung des Theaterstücks „Othello“ von William Shakespeare.
Das Frühstück am nächsten Morgen war erst für halb neun vorgesehen, so dass für manche die Nacht etwas länger sein konnte.
Unser Tag in Wien begann mit der Außenbesichtigung des Parlaments. Das Wetter war der Jahreszeit entsprechend, und die meisten waren mit Handschuhen, Mütze und Schal gut gegen das Wetter gerüstet. Vor dem neuen Rathaus war (wie jedes Jahr) eine Schlittschuhbahn aufgebaut. Viele Menschen fuhren im Schatten des neugotischen Prachtbaus über die große Eisbahn.
Wir setzten nach einer kurzen Pause unseren Weg fort, der uns zur Universität führte. Herr Wollgarten erläuterte auch die Möglichkeit, sich an der Universität einschreiben zu können. Eine generelle Abneigung gab es nicht!
Nach einer Extrarunde mit der Straßenbahn und einem Souvenir-Shopping im Kunsthaus Wien , kamen wir am berühmten Hundertwasserhaus an. Das Haus besticht durch seine gekrümmte Fassaden, durch die bewachsenen Balkone, die Zwiebeltürmen und die Abkehr von aller Symmetrie und Rechtwinkligkeit.
Am Nachmittag erkundeten wir den Stephansdom; für manche das Wahrzeichens Wiens. Bevor es zurück in die Jugendherberge ging, besuchten wir noch die letzte Ruhestätte der weltbekannten Kaiserin Österreichs – Sissi. In der Kaisergruft unter der Kapuzinerkirche sind alle Habsburger Herrscher seit 1632 bestattet.
Neben der bereits erwähnten Kaiser Elisabeth ruhen hier auch ihr Gemahl Franz-Joseph und die große Kaiserin Maria Theresia.
Traditionsgemäß besuchten wir an diesem Abend eine Theateraufführung. Unsere Begleitpersonen hatten für uns die Aufführung „ A Purple Rose of Cairo“ von Woody Allen im Volkstheater ausgesucht (nähere Informationen Bericht AMK).
Der Theaterabend hinterließ einen bleibenden Eindruck und schloss das Kapitel des 2. Tages.
Für den nächsten Vormittag war die Besichtigung von Schloss Schönbrunn geplant. Das Schloss im Hintergrund war die perfekte Kulisse für unser erstes Gruppenfoto.
Unsere Lehrer mussten hier als Paparazzi herhalten und wurden wie ein Weihnachtsbaum, zwar nicht mit Kugeln, dafür aber mit Kameras behängt.
Bei den Eintrittspreisen mussten manche erstmal schlucken, denn da verstehen die Österreicher kein Pardon. Viele bissen in den sauren Apfel und bezahlten mitunter 8,50 € für die Imperial-Tour, die einem die Möglichkeit gab, mit Audioführern 22 Räume zu erkunden. Unterstützt von klassischen Klängen, konnte man sich im Ballsaal regelrecht die tanzenden Adligen vorstellen.
Im linken Flügel des Schlosses Schönbrunn befinden sich heute Sozialwohnungen, so dass es auch heute noch bewohnt ist.
Nach einer langen Mittagpause freuten sich viele darauf, eine Runde mit dem Riesenrad auf dem Prater zu drehen. Leider war dieses am heutigen Tag geschlossen, so dass uns nur der Rückweg übrig blieb. Natürlich ging es weiter im Programm. Die Schlossanlage Belvedere besticht durch ihre große Parkanlage, die das Untere und das Obere Belvedere trennt und trotz der Jahreszeit nicht minder schön war.
Wir hätten uns gerne im Inneren etwas aufgewärmt, was uns aber leider durch den Sicherheitsdienst verwehrt wurde. Zu Fuß machten wir uns dann noch auf den Weg zur Karlskirche, welche ihren Platz in der „Geschichte“ dadurch bekam, dass sie die erste Kirche war, in der man für das Betreten Eintritt bezahlen muss.
Den Abend nutzten manche kulinarisch und besuchten ein Schnitzellokal in der Nähe der Jugendherberge, das bereits auf Empfehlungen anderer Schüler hochgelobt worden ist!
Der nächste Morgen war auch zugleich der letzte und es ging wieder verdammt schnell bis zur Abreise.
Wir besuchten zum Abschluss das Kunsthistorische Museum, in dem Frau Kirfel Interessierten einige der wichtigsten Exponate ans Herz legte. Manche von ihnen waren uns bereits aus dem Unterricht bekannt. Um auch nicht unsere Wurzeln zu vergessen, zeigte sie uns auch das Originalbild des Heiligen Hermann-Josef und der Gottesmutter Maria von Anton van Dijk, welches auch, in Form von zwei Kopien, bei uns in der Basilika in Steinfeld hängt.
Der Nachmittag stand uns zur freien Verfügung und wurde auf verschiedene Art und Weise genutzt. So wurde zum einen die Mariahilferstraße erkundet, die man als Shoppingmeile der Wiener bezeichnen kann. Einige wollten aber auch die verpasste Chance vom Vortag nicht auf sich beruhen lassen und drehten eine Runde mit dem Riesenrad.
Die Freizeit wurde aber auch kulturell genutzt, indem manche sich mit einem sehr berühmten Österreicher beschäftigten und das Siegmund-Freud-Museum besuchten. Dort durfte man einen Blick in das Privatleben Freuds werfen und konnte mit schulbuchtypischen und modernen Kunstwerken in die Psychoanalyse eintauchen. Ein beeindruckender Ort.
Man sieht also, dass der Nachmittag die Möglichkeit gab, Wien noch einmal auf seine persönliche Art zu entdecken.
Auf dem Weg zum Flughafen mussten wir nochmals feststellen, dass Österreich in mancher Hinsicht teurer ist. Wir hatten es nämlich aus Zeitnot nicht mehr geschafft, das Ticket zu entwerten, worauf uns ein arbeitswütiger Schaffner zu 60 € (pro Person) Bußgeld verdonnern wollte. Durch das Verhandlungsgeschick unserer Begleitpersonen blieb uns dies allerdings erspart.
Erst am späten Abend hoben wir vom verschneiten Flughafen Wien ab und landeten kurz vor 22 Uhr auf den ebenfalls verschneiten Konrad-Adenauer-Flughafen.
Wien 2010 wird uns alle in Erinnerung bleiben. Mir persönlich wurde klar, dass dies das letzte Mal war, in dieser Form mit seinen Mitschülern zu verreisen. Man lernt doch immer noch bei solchen Fahrten Leute besser kennen, mit denen man zwar schon lange die Schullaufbahn teilt, aber ansonsten eher weniger zu tun gehabt hat. Ich fand, dass Wien die Möglichkeit gab, die Schule und die Abiturvorbereitungen für einige Tage hinter sich zu lassen und neue Energie zu schöpfen, um gestärkt in die Vorklausuren zu gehen. Zudem hatte die Fahrt ein wenig von einer Abschlussfahrt, da es wie bereits erwähnt, die letzte Fahrt in dieser Art war.
Michael Kratz „and friends“ Jahrgangsstufe 13

