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Mittwoch, 10.03.2010

Wienerfahrt 2009

Teil 1

Zu Besuch im Wiener Burgtheater

Wie immer stand auch diesmal bei der Exkursion nach Wien vom 18. bis zum 21. Februar 2009 ein Besuch des Wiener Burgtheaters, einer der bedeutendsten deutschsprachigen Bühnen, auf dem Programm. Neugierig waren wohl alle auf das Stück "Der Schein trügt" von Thomas Bernhard, von dem noch niemand aus der Gruppe je ein Stück gesehen hatte. Pünktlich um 19.15 Uhr waren alle am Eingang des Burgtheaters, das keiner verfehlen konnte, da Herr Wollgarten die Exkursionsteilnehmer schon zu den wichtigsten Stellen geführt hatte. Aber "die Kommission hat den Zugang zu den Plätzen noch nicht freigegeben" raunzte einer der Herren, die für den geordneten Beginn der Vorführung zuständig waren, und so hieß es warten, bis endlich der Ansturm auf die Garderobe und dann auf die "Feststiege" für ein Photo beginnen konnte. Unsere Plätze waren direkt gegenüber der Bühne, wir hatten also eine gute Sicht, aber wer lange Beine hatte, musste diese gut zusammenfalten und so ungefähr zweieinhalb Stunden ausharren. Also richtig anstrengend für einige!

 

Von Anfang an konnte sich der Zuschauer unmittelbar in das Bühnengeschehen einbezogen fühlen, denn kein Vorhang trennte Bühne und Zuschauerraum. Zwei ineinander geschachtelte Räume: der eine karg möbliert der Wohnraum Karls, der andere mal ein anderes Zimmer Karls, mal die an ein Kino erinnernde Inneneinrichtung seines Halbbruders Robert, die durch ein überlebensgroßes, jetzt aber erdrückend gewordenes Bild von seinen glücklichen Jugendjahren als Schauspieler geschmückt wurde. Ein Zimmer für den "Dienstag" bei Karl, ein Zimmer für den "Donnerstag" bei Robert. Karl lebt in einer sehr engen Welt, alles, was sich außerhalb seiner strengen Ordnung abspielt, dazu gehört auch das Klavierspiel Roberts und das seiner verstorbenen Frau Mathilde, kann er nicht ertragen. Der Bereich des ehemaligen Artisten ist ganz in den Farben Lila und Petrol gehalten - die schiefen Stühle, der Tisch und auch der Anzug - alles ist ihm zur zweiten Haut geworden, er kann sich nicht mehr ändern, obwohl er von Veränderungen spricht und an sie denkt. Natürlich hat er einen Aufräumtick: Alles, was seiner Frau Mathilde gehörte, muss er aufräumen und gerade stellen - Pelzmantel, Kleider, Schuhe, er kann sich nicht zum Verkauf oder zur Entsorgung der überflüssigen Dinge entscheiden, sie halten ihn gefangen.

 

Karl unterhält das Publikum eine Stunde lang - und das macht der Schauspieler hervorragend - damit, dass er sich rasiert, dass er sich langsam anzieht, die Zehennägel schneidet, die er übrigens durch dasselbe Augenglas betrachtet, mit denen er Voltaire liest; er tut dies, weil er sonst keine sinnvolle Beschäftigung hat. Seine einzigen Gesprächspartner sind "Maddie", der von Mathilde hinterlassene Kanarienvogel, und sein Halbbruder, der Schauspieler Robert, den er aber insgeheim verachtet. Es kommt auch mit ihm nicht zu wirklichen Gesprächen, sondern nur zu oberflächlichen Scheindialogen: "Ist mir die Hose zu lang?" "Nein, sie ist dir nicht zu lang." "Ja, aber wenn sie mir doch zu lang ist." So geht das in einem fort, und manch einer erkannte sich hier schon selbst, was die amüsierten Reaktionen des Publikums verrieten.

 

Das Problem, dass Dienstag und Donnerstag vielleicht nicht die richtigen Tage für das Zusammentreffen der beiden Brüder sind, lösen sie nach langen ßberlegungen, warum man nicht Mittwoch und Freitag oder Montag und Samstag für die Begegnung nehme, indem nicht einmal die Wochentage geändert werden können, also alles beim alten bleibt. Nur keine Neuerungen! Eine Zeitung will Karl zwar lesen, sie aber aus Kostengründen keinesfalls abonnieren, das kann ruhig Robert tun. Einen Anzug lässt er sich zur vorhersehbaren Beerdigung seiner Frau  zwar auf den Leib schneidern; dieser wird jedoch, weil er ja für eine "Gala", die sowieso niemals stattfindet, und für alle möglichen anderen Gelegenheiten mitgeschneidert wird, nicht fertig zur Beerdigung, also verfehlt diese Aktion ihren eigentlichen Zweck.

 

So granteln und meckern und schimpfen zwei alte Männer vor sich hin, sie sind unzufrieden, wollen und können aber nichts an ihrem Leben ändern. Endlos wird scheinbar über Reiseziele geredet, monoton, gelangweilt, entschlusslos ... Weil die Entscheidungskraft fehlt, bleibt es bei Postkarten, die man nach "Kopenhagen oder Malmö" schickt, es bleibt beim Gerede über die 23 Teller, die Karl  als Artist in der Luft hatte, kurz bevor er mit 50 Jahren seinen Beruf an den Nagel hängte und aufhörte, es bleibt beim Gerede über all die Krankheiten - "Niere, Leber, Rücken ..." - , die Robert, den einst hinreißend schönen Schauspieler, jetzt quälen, es bleibt beim Gerede eines tristen und belanglosen Alltags zweier Egozentriker.

 

Warum also bloß hat Mathilde ihr Wochenendhäuschen Robert und nicht Karl vermacht? Die Frage blieb offen, sie muss auch nicht beantwortet werden, denn die beiden Halbbrüder unterscheiden sich kaum.

 

Ein großer Applaus für zwei große Schauspieler am Ende von mehr als zwei Stunden hervorragender Unterhaltung zeigte, dass das Stück sehr gut aufgenommen worden war und dass sich manch einer aus dem Publikum als Karl, Robert oder auch Mathilde wiedererkannt hatte.

 

AMK

 

Teil 2

Wienexkursion 2009

Mittwochmorgen, 4.00 Uhr: Der Wecker klingelte. Eine halbe Stunde später saßen wir, 10 Schüler der Jgst. 13 und unsere beiden Lehrpersonen und Begleiter Frau Kirfel und Herr Wollgarten, bereits im Auto in Richtung Flughafen Köln/ Bonn. Pünktlich um 6.00 Uhr trafen wir alle zum Einchecken bei Germanwings ein und saßen eine gute Stunde später auch schon im Flieger nach Wien. Eine weitere gute Stunde später waren wir auch schon gelandet- und bereits beim Aussteigen durften wir das wahrlich winterliche Klima Wiens genießen (es sollte den ganzen Tag schneien und es war verdammt kalt). Mit Bahn, Straßenbahn und dem Bus erreichten wir schließlich um 10.00 Uhr unsere Jugendherberge, wo wir unverzüglich unsere kleinen, aber feinen Zimmer beziehen konnten.

Nachdem dies erfolgte, machten wir uns zum ersten Rundgang durch Wien auf. Herr Wollgarten gab uns eine zweistündige Führung durch das schöne „Städtchen“, so dass wir uns später alleine zurechtfinden konnten. Hofburg, Stephansdom und der „Graben“ waren die ersten groben Anhaltspunkte, die wir uns ansahen und die später zur Orientierung dienen sollten. Da wir alle ziemlichen Kohldampf hatten, wurde uns endlich eine Mittagspause von zwei Stunden „gestattet“. In einem alten, urigen und sehr schönen Keller ließen wir uns nieder, um zu speisen. Ob ein echtes Wiener Schnitzel, Käsespätzle oder auch nur Salat…Hauptsache endlich was zwischen die Kiemen!

Aufgrund des frühen Aufstehens waren wir alle ziemlich platt, so dass wir einfach ewig in dem gemütlichen Restaurant sitzen blieben. Um 15.00 Uhr, vermeintlich wieder gestärkt (zumindest der riesige Hunger war weg), fuhren wir mit der Erkundung Wiens fort. Weitere markante Gebäude und Punkte in Wien waren das Parlament, das Burgtheater, die Hofreitschule mit ihren einzigartigen, wundervollen Pferden (…das ist für die PferdeliebhaberINNEN), das Denkmal für deportierte Juden, der Sacher-Laden, die Wiener Oper (welche in jenen Tagen zum berühmten Opernball hergerichtet wurde)- grob gesagt:Am ersten Tag sahen wir uns Wien „als Ganzes“ an, um einen Überblick über die Stadt mit all ihren historischen Wahrzeichen zu bekommen.

Der erste Tag endete dann gegen 18.00. Rein ins nächste Restaurant, etwas essen…und für manche war der Abend dann auch schon gelaufen. Denn das frühe Aufstehen zusammen mit dem nicht ganz lockeren Tagesprogramm hatte doch geschlaucht.

Nach einer ordentlich Portion Schlaf gab es um 8.30 Frühstück in der Jugendherberge- das Frühstück an sich war dürftig, die Brötchen waren mehr Luft als alles andere, aber der Kaffee war gut. Der Tag schien, wie der zuvor, verschneit und kalt zu werden…doch dann klarte es doch noch auf und die Sonne schien, was der Stadt ein noch schöneres Ambiente gab. Durch den Volksgarten machten wir uns zum Stephansdom auf, um diesen zu besichtigen. Dem folgten das Mozarthaus und dessen Umgebung mit vielen kleinen Gassen, das Griechenviertel, die Jesuitenkirche sowie das Uni-Gelände. Um ein wenig Abwechslung zu erlangen, fuhren wir dann zum Praterkreuz, wo die meisten von uns eine Fahrt mit dem alten, sehr bekannten Riesenrad genossen (die wir dank Svenja und Frau Kirfel zu „Kinderpreisen“ bekamen) , um von dort aus einen wundervollen Überblick über das verschneite Wien zu erlangen. Anschließend ging es zurück in die Stadt, um die Mittagspause anzutreten. Um 15.30 nach einem deftigen Essen ging die Reise in Richtung Schloss Belvedere, welches wir uns jedoch nur von außen ansahen (was uns Schülern wohl auch reichte). Dann sahen wir uns noch das Palais Schwarzenberg, das russische Kriegerdenkmal, die Karlskirche sowie das Haus der Musikfreunde an, um dann mit Straßenbahn und Bus bald wieder die Fahrt zur Jugendherberge aufzunehmen. Aus dem Bus ausgestiegen, standen wir vor einem kleinen Restaurant mit Kneipe, das uns jetzt erst auffiel. Mal wieder von Hunger geplagt kehrten wir dort ein und waren positiv überrascht, dass es für billige 4,90 € ein komplettes Tagesmenü mit Vorspeise gab, welches mehr als genügend sättigte. Und auch die Getränkepreise waren, im Vergleich zu anderen, angeblich günstigen Restaurants, überraschend preiswert. Kurzum: Wir hatten unser Stammlokal für die nächsten Tage gefunden, wo Essen, Getränke, die Möglichkeit Dart und Poker zu spielen und sogar die Bedienung, also alles, einfach perfekt waren. Folglich wurden die Abende nun länger, da wir uns pudelwohl fühlten in unserem Stammlokal. Diejenigen, die ihre Abende dort nicht verbrachten, versuchten ihr Glück im Casino, was ebenfalls zu heftigen Ermüdungserscheinungen am Folgetag führen sollte.

Am Vormittag des Freitags hatte es wieder zu schneien begonnen. Ziel war diesmal das Schloss Schönbrunn, welches von den meisten als sehr schön und interessant angesehen wurde. Mithilfe eines Audioguides ging jeder für sich durch das Schloss und konnte die prunkvollen Zimmer und Einrichtungen bewundern. Anschließend gingen wir durch den Schlossgarten hoch zur Gloriette. Der Weg war geprägt von Schneesturm und eisiger Kälte, aber der Ausblick über Wien und über das Schloss entschädigten zumindest teilweise für die vermeintlichen Erfrierungen im Gesicht. Mit der U-Bahn fuhren wir dann zurück zum Karlsplatz, und wir besuchten die Kapuzinergruft (die Begräbnisstätte bekannter Persönlichkeiten der Habsburger, z.B. Kaiser etc., wo die Toten in Bronze-Särgen, die schlichtweg in der Gruft stehen, ihre Ruhe finden). Den Nachmittag hatten wir dann zur freien Verfügung. Er wurde hauptsächlich mit Shoppen verbracht.

Am gleichen Tag abends machten wir uns für eine Aufführung im Burgtheater fertig. Das Stück nannte sich „Der Schein trügt“ und wurde von nur zwei Schauspielern dargeboten. Die erste Stunde der Aufführung war, trotz der Tatsache, dass nur ein Schauspieler das Publikum unterhielt, sehr amüsant. Doch dann machte sich bei einigen die immer noch präsente Müdigkeit wieder bemerkbar, was den ein oder anderen zum Einschlafen verführte. Trotz der schönen Atmosphäre im Theater wurde das Stück mit fortschreitender Stunde sehr anstrengend, da Müdigkeit und extreme Hitze sowie schlechte Luft die meisten von uns heimsuchten. Wie gewöhnlich verbrachten die einen den weiteren Abend in der besagten Stammkneipe, die anderen versuchten wieder ihr Glück im Casino.

Der letzte Tag unserer Exkursion begann etwas früher als die vorigen, da wir die Herberge früh verlassen mussten. Als die Koffer gepackt waren und das Frühstück beendet, besuchten wir abschließend das Kunsthistorische Museum. Allerdings hielten wir es dort nicht besonders lange aus, so dass wir schließlich noch ein wenig durch Wien fuhren, um dann für die verbleibenden Stunden einen gebührenden Abschied im Stammlokal zu „feiern“.

Schließlich, um 17.00 Uhr, machten wir uns in Richtung Flughafen auf. Nach einem mehr oder weniger ruhigen Flug endete unsere Exkursion dann um 23.00 Uhr am Flughafen Köln/ Bonn.

Die anfänglich eher von Unlust geprägte Stimmung war, im Nachhinein betrachtet, schnell verschwunden und wir alle genossen die paar Tage in Wien. Das kulturelle Programm, welches Frau Kirfel und Herr Wollgarten uns boten, war vielseitig und interessant, auch wenn es, zugegeben, manchmal ein wenig anstrengend schien, was jedoch auf unsere abendlichen Aufenthalte in Casinos und Stammkneipen zurückzuführen war. Da wir nun bald die Schule verlassen werden, war diese Exkursion kurz vor Ende unserer Schullaufbahn noch mal ein schönes „Add-on“, und sicherlich wird sie uns allen in guter Erinnerung bleiben.

Hermann Mielich, Jgst. 13