Roots Germania - ein Film von Mo Asumang
Am Donnerstag, den 25. Juni 2009, bin ich mit 14 anderen Steinfelder Schülern nach Vogelsang gefahren, um mir diesen Film anzugucken. Es waren noch viele Schüler aus anderen Gymnasien hier aus der Gegend eingeladen worden. So bestand die Gruppe insgesamtaus 150 Schülern.
Als wir mit dem Bus nach Vogelsang einbogen und uns die Gebäude entgegen kamen, war unser erster Eindruck: Staunen! Gerade für die, die Vogelsang noch nie zuvor gesehen hatten. Es wirkt doch alles sehr „mächtig, eindrucksvoll und unterdrückend“, so sagte es eine Schulfreundin von mir. Dies war auch mein erster Eindruck, hinzu kam die spannende Erwartung auf das Kommende.
Wir hatten schon durch unseren Lehrer, Herrn Schmees, der sich sehr für Menschenrechte einsetzt, Informationen über den Ort, den historischen Hintergrund, über den Film und natürlich über Mo Asumang erhalten. Ich beispielsweise hatte vorher nur wenig über Mo gehört. Ich denke, ich habe sie einmal bei Viva im Fernsehen gesehen, dort moderiert sie manchmal Musiksendungen. Doch auch bei Pro-7 soll sie lange die Sendung „Liebe-Sünde“ moderiert haben. So wurde sie bekannt.
So wurde sie auch bei den Neonazis bekannt. Sie waren es auch, die sie zu dem Drehen des Filmes angeregt haben. Alles fing an als eine Neonaziband namens „White Aryan Rebels“ in einem ihrer Lieder sang : „Die Kugel ist für dich, Mo Asumang!“
Das hat sie zum Nachdenken gebracht. Klar hatte sie auch Angst, doch im Vordergrund stand, so wie ich glaube, doch ihr Wunsch herauszubekommen, wie solche Leute, solche Nazis, denken. Denken sie überhaupt wie wir? Kann man sich das vorstellen, dass es Leute gibt, die andere nur wegen ihrer Hautfarbe verfolgen, bedrohen, töten, sie einfach aus Deutschland vertreiben wollen und dabei nicht einmal vor echter Gewalt halt machen?? Ich selber und auch viele meiner Freunde können uns das beim besten Willen nicht begreiflich machen, welche absurden Gedanken, welcher kranke Verstand dahinter steckt! Aber um das zu beantworten, muss man schon mit einem von ihnen gesprochen haben. Ihn mal direkt fragen „warum?“ - was Mo Asumang dann auch in der JVA vor laufender Kamera gemacht hat. Für sie war dies auch das erste Mal, und so eine echte Überwindung, was sie auch zugab.
So fing ihre Recherchereise an. Dies wollte sie jedoch „alles“ festhalten für andere Jugendliche, aber auch Erwachsene. Also drehte sie eine Dokumentation über ihre Reise, der sie den Namen „Roots Germania“ gab.
Hierbei nimmt sie den Rat, „Sie solle dahin zurückgehen, wo sie herkommt!“, sehr ernst. Doch woher kommt sie? Aus Kassel, wo sie geboren wurde, oder aus Ghana in Afrika, wo ihr Vater wohnt? Sie besuchte beide: ihre Mutter in Deutschland, ihren Vater in Afrika. Ihre Reise nach Afrika, um zu sehen, wie die Leute da leben, war schon sehr eindrucksvoll, vor allem öffnete dies ihr die Augen für einen ganz neuen Weg, den Rassismus und den Germanenkult zu hinterfragen. So wird ihre Identitätssuche ganz nebenbei auch eine spirituelle Reise zu afrikanischen und germanischen Ahnen und Kultplätzen. Doch nicht nur das, sie mischte sich auch auf eine NPD-Demo unter 3000 Neonazis, bringt Nazikader aus der Fassung, durchforstet braune Websites im Internet und steigt in die „Himmler Gruft“ der Wewelsburg hinab. Uns Jugendlichen gab sie bei der Diskussion nach der Filmvorstellung den Rat, in der Klassengemeinschaft und im Freundeskreis auf die anderen zu achten. Im frühen Stadium, “bevor sie die Springerstiefel anziehen“, könne man als Gruppe noch auf sie einwirken und gefährdete junge Leute in der „normalen“ Gesellschaft halten. Zum Umgang mit jungen Nazis empfahl sie, sich auf keinen Fall auf Ideologiediskussionen einzulassen. Stattdessen sollte man sie persönlich vorstellen und dann auf die Probleme der Leute eingehen. Dann würden viele zugänglich.
Nach diesem Tag habe ich auch noch einmal mit Freunden in der Schule über den Film, die Vorstellung und Mo Asumang selbst gesprochen. Was ich so gehört habe, ist der Film gut rübergekommen und die wichtigsten Aspekte sind erfolgreich vermittelt worden.
Auch Mo Asumang selbst hat vielen auf sympathische Weise sehr gefallen.
Wie frei und offen sie reden konnte, hinterließ bei vielen einen bleibenden Eindruck! So auch bei mir! Am meisten beeindruckt war z.B. Christiane Kreuser von der Art und Weise, wie sie ihre germanischen und ghanaischen Wurzeln miteinander verknüpft hat. Sie war auch dafür, dass dieser Dokumentarfilm an weiteren Schulen gezeigt wird, um verständlich zu machen, wie schwachsinnig es ist, rechts zu sein! Da stimmte auch Anne Hönig zu. Sie meint auch, durch den Film habe sich ihr Allgemeinwissen erheblich verbessert. Und in zukünftigen Diskussionen über das Thema werde sie vieles neu Erfahrene mit einbringen können!
Auch als wir dann später mit Herrn Schmees mit der ganzen Klasse über den Film geredet haben, sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass die Botschaft des Filmes zusammengefasst lautet, dass wir alle gleich sind, wir Menschen haben alle die gleichen Rechte, egal welche Hautfarbe oder welcher Nationalität man angehört.
Nena Noisten 10c



