Gedenkstunde zur Reichspogromnacht
Vor siebzig Jahren, in der Nacht vom 9. auf den 10.November 1938, brannten in ganz Deutschland die Synagogen, jüdische Geschäfte wurden zerstört, jüdische Mitbürger wurden willkürlich verhaftet, etliche Menschen kamen dabei ums Leben. Hermann Göring sprach in zynisch triumphierender Anspielung auf die zerborstenen Fensterscheiben der Geschäfte, deren Splitter sich auf den Gehwegen verteilt hatten, von Reichskristallnacht. Diese Äußerung passte in das Bild, das die Nationalsozialisten in Deutschland zu suggerieren gedachten. Hitler, Goebbels, Göring, um nur die Hauptverantwortlichen zu nennen, hatten den Mord an dem deutschen Diplomaten vom Rath in Paris durch den jungen Juden Herschel Grynszpan zum Anlass genommen, grausame Übergriffe auf die deutschen Juden zu organisieren. Nach außen sollte die Aktion den Eindruck erwecken, der Volkszorn wolle sich an den verhassten Juden rächen. In Wahrheit hatte jedoch die SA die Fäden gezogen. An die Feuerwehr war der Befehl ergangen, die brennenden Synagogen nicht zu löschen, sondern nur angrenzende Gebäude zu schützen.
Diese Ereignisse erreichten auch unsere Region. Auch in Kall brannte die Synagoge. Die Kenntnisnahme dieser Zusammenhänge ließ die Menschenrechtsgruppe am Hermann-Josef-Kolleg nicht ruhen. Es wurde ein Anliegen, auf die Vorfälle in Kall zu reagieren. Wir erarbeiteten eine Präsentation, die nicht belehren wollte, sondern möglichst authentisch zeigen sollte, was geschehen war. Auch sollten Betroffene zu Worte kommen. Wir entschieden uns für Auszüge aus dem Tagebuch der Anne Frank, die sehr nachvollziehbar die bedrückende Situation der von den nationalsozialistischen Schergen verfolgten Personen schildert. Glücklicherweise lag uns auch ein Augenzeugenbericht über die Ereignisse in Kall vor. Mirjam und Susanne Fernbach, Töchter des jüdischen Volksschullehrers Moses Fernbach, hatten das Vorgehen gegen die Synagoge in Kall mit angesehen und später davon berichtet. Das Bildmaterial zeigte brennende Synagogen, festgenommene jüdischen Bürger und Bilder aus Auschwitz. Die eigentliche Vorführung in der Aula bestand aus einem Wechsel von Texten und Bildern. Die Texte wurden von einigen Gruppenmitgliedern vorgelesen. Abschließend machte das Lied "Kristallnacht" der Gruppe BAP deutlich, dass auch heute Intoleranz, Ausgrenzung und Gewalt nicht überwunden sind.
Wir hatten für unsere erste größere Aktion die Jahrgänge 9 und 10 eingeladen. Aufgrund der sehr positiven Resonanz können wir uns vorstellen, ein Abendprogramm für eine breitere Öffentlichkeit in ähnlicher Weise zu gestalten.
Für die Menschenrechtsgruppe am Hermann-Josef-Kolleg
Hermann Schmees











